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FILM AB – MARINA AS AN EXCHANGE STUDENT IN RAMALLAH

ABOUT MARINA

Academic year 2016 / 2017, elective subject: television journalism - culture, education, science - at the Filmakademie Baden-Württemberg

After graduating from Ludwig-Wilhelm-Gymnasium in Rastatt/ Germany Marina headed abroad for the first time: South Africa was the destination of her choice. She worked within the volunteer program "kulturweit" at a school in Johannesburg.

After this eventful year she started her studies of cultural and media studies at the Eberhard-Karls-Universität in Tübingen. But her stay in South Africa awoke her curiosity and her wanderlust and that's why she decided to travel again during her studies. This time she was heading for Singapur, where she completed her semester abroad at the Nanyang University.

After various internships, i.g. at the German Institute for Cultural and Foreign Exchange (ifa) in Stuttgart, the TV-channel SWR and ZDF in Mainz, she now works as a reporter on a freelance basis for the SWR and continues her studies at the Filmakademie Baden-Württemburg.

THE MANY FACES OF RAMALLAH

Ramallah hat viele Gesichter. Tag und Nacht. Drinnen und draußen. Gestern und heute.

Tagsüber das hektische Treiben auf der Straße. Der zähfließende Verkehr und das Hupen der ungeduldigen Fahrer. Eine Gruppe von Mädchen, die miteinander tuscheln und sich lachend auf den Weg nach Hause machen. Der Falafel-Verkäufer, der sich auf einem Plastikstuhl ausruht und auf neue Kunden wartet. Immer mit dem obligatorischen Zahnstocher, lässig im Mundwinkel. Eine Mutter, die ihre mürrischen Kinder vor sich her scheucht und eine Frau, die unter prüfendem Blick ins Schaufenster noch schnell ihr Kopftuch zurecht zupft.

Ein Bild, das den Erwartungen entspricht. Die Frauen tragen Kopftuch, die Männer sitzen in Cafés und rauchen Shisha. Auf den Straßen türmt sich der Müll und die Stromkabel hängen in verdrehten Knäulen von den Holzpfosten. Doch wer hier aufhört zu schauen, sieht bloß, was er sehen will.

Die Zeichen sind versteckt, aber man kann sie überall entdecken. Ramallah lebt, atmet, vibriert. Der alte orientalisch anmutende Markt, neben der Szene-Bar. Der kleine Kaffeestand auf Rädern, neben dem dicken BMW. Das traditionell gebaute Haus einstöckig mit Flachdach, umringt von Hochhäusern. Gestern und heute gehen fließend ineinander über, verschwimmen, existieren nebeneinander.

Abends in einer der vielen Bars unterwegs, zeigt Ramallah ein weiteres seiner vielen Gesichter. Wenn die Tür aufgeht, fällt der Blick auf eine andere Welt. Männer mit Tattoos, Frauen mit gefärbten Haaren in grün und rot, schon aus der Ferne erkennbar. Kurze Röcke und Piercings. Die Szene ist klein, aber es gibt sie. Filmemacher, Künstler, DJs – alle kennen sich. Und jeder einzelne glaubt, etwas verändern zu können – egal ob mit Kunst, Filmen, Musik oder Sport. Es ist beeindruckend: diese Energie und diese Entschlossenheit trotz der oft hoffnungslos erscheinenden Lage. Oder vielleicht auch gerade deswegen. Die derzeitige Situation ist für viele Palästinenser Bremse und Antrieb zugleich. Politik ist allgegenwärtig, sie begegnet einem an jeder Straßenecke, es gibt nichts was nicht politisch ist. Die Vergangenheit, die Verluste, der Konflikt – den Palästinensern sind diese Dinge in Fleisch und Blut übergegangen. Und doch kämpfen sie mit bewundernswerter Ausdauer darum, sich nicht von ihnen lähmen zu lassen. Dieser Kampf ist spürbar in Ramallah und die Entschlossenheit, mit der er geführt wird, macht die Stadt lebendig.

 

FIVE WEEKS IN PALESTINE - TRYING TO LOOK BACK

Fünf Wochen Palästina – fünf Wochen, in denen ich noch keinen einzigen Satz zu Papier gebracht habe. Selten ist es mir so schwer gefallen, meine Eindrücke festzuhalten. Das Land, die Leute, der Konflikt – ich finde keine Worte, um all das zu beschreiben. Sprachlos, mit mehr Fragen als Antworten, blicke ich auf die letzten Wochen zurück. Wie kann man die Atmosphäre in einem Land beschreiben, in dem Soldaten, Gewalt und Checkpoints genauso zum Alltag gehören wie Start-ups, Musik an jeder Ecke, eine kreative Künstlerszene und Menschen, die so viel Lebensfreude ausstrahlen, dass man fast vergessen könnte, wo man gerade ist?

Wie erklärt man jemandem, der Israel und Palästina nur aus den Nachrichten kennt, wie es sich anfühlt einen Checkpoint zu überqueren, die Mauer zu sehen oder täglich in den Nachrichten von neuen Zusammenstößen mit dem israelischen Militär zu lesen? Das alles gehört hier zum Alltag und trotzdem ist das nur die halbe Wahrheit. Genauso gehören die kleinen Erlebnisse dazu: die Frau im Bus, die ihr Brot mit mir teilt und mit beiden Händen energisch versucht sich mir verständlich zu machen. Der Mann, der mich zur Bushaltestelle bringt, obwohl er schon zu spät zu seiner Verabredung kommt. Der Obstverkäufer, der mir immer noch zusätzlich etwas in meine Einkaufstüte steckt, was ich erst Zuhause bemerke.

In den nächsten Wochen möchte ich mich auf die Suche nach den passenden Worten machen. Das wird mir mal besser, mal schlechter gelingen. Es werden vielleicht nicht immer die richtigen sein, sie werden vielleicht nur die halbe Wahrheit zeigen und sie werden bestimmt subjektiv sein. Aber ich will versuchen zu verstehen, was ich hier tagtäglich sehe und erlebe.

 

 

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